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Wohnen – das ist nicht erst seit IKEA, die das Sujet am intensivsten erforschen, für jeden von uns eine sehr wichtige Sache. Kein Wunder, gehört es doch zu den Grundbedürfnissen des Menschen. In unserer Region und im Winter weiß jeder eine gemütliche, warme Wohnung sehr zu schätzen. Ist sie noch geschmackvoll eingerichtet, dann freuen wir uns umso mehr auf unser Zuhause.

Nicht jeder kann sich in Deutschland aus eigener wirtschaftlicher Kraft eine solche Wohnung leisten. Viele Menschen benötigen finanzielle Unterstützung für ihren Wohnraum. Da stellt sich doch die Frage, wo kommt – geschichtlich betrachtet – günstiger Wohnraum eigentlich her? Bei meiner Recherche war ich nicht schlecht überrascht, seit wann und wo es sozialen Wohnungsbau gibt.

Die Fugger und der soziale Wohnungsbau

Die Fuggerei in Augsburg. Foto: Ben Garrett, cc-by-2.0

Die Fuggerei in Augsburg. Foto: Ben Garrett, cc-by-2.0

Schon 1521 wurde die Fuggerei in Augsburg gegründet und ist damit die älteste Sozialsiedlung der Welt, die noch heute existiert. Sie besteht aus 140 Wohnungen, 67 Häusern und der Wohnraum kostet in der Kaltmiete 88 Cent pro Jahr, richtig gelesen, nochmal ausgeschrieben null Euro achtundachtzig im Jahr. Und, Folgendes darf bei der Kostenrechnung nicht fehlen, einmal täglich muss das Vaterunser gebetet werden. Wie das kontrolliert wird, konnte ich leider nicht eruieren.

Das Paternalistische System

Kolonie Eisenheim in Oberhausen. Foto: Flickr-Nutzer Michael, cc-by-nd 2.0

Kolonie Eisenheim in Oberhausen. Foto: Flickr-Nutzer Michael, cc-by-nd 2.0

Im 18. und 19. Jahrhundert begegnet uns in Deutschland das Paternalistische System, was nichts anderes beinhaltet als die vormundschaftliche Beziehung der Fabrikherren und Zechenbesitzer zu ihren Arbeitern. Der Arbeitgeber stellte seinen Untergebenen alles zur Verfügung, was sie zum Leben brauchten: Kleidung, Nahrung, Schulen, Kindergärten und nicht zuletzt – Wohnungen. Die Arbeiter waren durch diese Wohltätigkeit, mehr oder weniger, zu absoluter Loyalität gezwungen. Fügte sich der Einzelne oder eine Familie nicht den Geboten seines Arbeitgebers, verlor er oder sie alle Rechte an diesen Vergünstigungen. Das hieß in der damligen Zeit Verelendung in kürzester Zeit. Denn war man einmal von einem Unternehmer gefeuert, konnte der einfache Arbeiter mit einer Neueinstellung und mit vergleichbaren Bedingungen nicht mehr rechnen. Beispiele für dieses System, das vor allem in den europäischen Monarchien gebräuchlich war, sind die 1844 erbaute Kolonie „Eisenheim“ für die Zeche Gutehoffnungshütte in Oberhausen und die 1858 erbaute Kolonie Stahlhausen in Bochum. Aber auch in England und Frankreich gab es diese Lebens- und Wohnmodelle.

In Amerika

Vor allem in New York kam es durch die Einwanderer aus aller Herren Länder zu akuter Wohnungsknappheit. 1867 bis 1901 wurde deshalb das „Tenement House Act“ erlassen. Man nannte es das „Old Law“ in der frühesten Fassung und es beinhaltete unter anderem eine Vorschrift, dass eine Toilette vorhanden sein muss. Ein späteres, „New Law“ genannt, beinhaltet zum Beispiel, dass in jedem Wohnraum ein Fenster vorhanden sein muss. Bitte beachten Sie die ausdrückliche Forderung am Ende der beiden Sätze, selbst Einrichtungen für minimalste menschliche Bedürfnisse mussten kategorisch eingefordert werden.

Die First Houses im New Yorker East Village (1935) gelten als erstes öffentliches Wohnbauprojekt in den Vereinigten Staaten. Sie entstanden am Standort von Mietskasernen aus dem 19. Jahrhundert, die dem Tenement Act unterlagen. Foto: Flickr-Nutzer warsze, cc-by-nc-nd 2.0

Die First Houses im New Yorker East Village (1935) gelten als erstes öffentliches Wohnbauprojekt in den Vereinigten Staaten. Sie entstanden am Standort von Mietskasernen aus dem 19. Jahrhundert, die dem Tenement Act unterlagen. Foto: Flickr-Nutzer warsze, cc-by-nc-nd 2.0

In England

Das Königreich hatte natürlich ähnliche Probleme, die durch die Landflucht ausgelöst wurden. Viele Städte platzten förmlich aus allen Nähten, ganz besonders London. Dort wurden zudem durch den Bau von neuen Dockanlagen, neuen Straßen und der U-Bahn mindestens 76 000 Menschen ausquartiert, die unversehens obdachlos wurden. So entstanden sogenannte Lodging Houses, um diese Massen aufzunehmen, und die galten als die gefährlichste Krankheitsquelle Londons. Denn dort lebten oft bis zu 50 Personen in einem kleinen Haus. Da man die Räume, aber oft auch nur die Betten, mehrfach untervermietete, kam es zu unhaltbaren hygienischen Bedingungen.

Armut und Hunger auf engstem Raum. Illustration aus einem Buch über die arme Bevölkerung Londons 1861.

Armut und Hunger auf engstem Raum. Illustration aus einem Buch über die arme Bevölkerung Londons 1861.

1851 gelang es Lord Shaftsbury, diese Häuser unter polizeiliche Kontrolle zu stellen. Weiterhin konnte er durchsetzen, dass Kommunen in Zukunft das Recht hatten, Steuermittel für den sozialen Wohnungsbau auszugeben. Als 1875 die Tories den Wahlsieg davontrugen, begann dann tatsächlich der Wohnungsneubau, für die Ärmsten der Bevölkerung.

Bei diesen Bau- und Sanierungsvorhaben standen drei Ziele im Vordergrund:

  1. Gründung von Aktiengesellschaften zur Finanzierung der Projekte
  2. Bau von angemessenen Wohnungen und Cottages für die ärmsten Familien
  3. Zusatzversorgung der Arbeiter durch eigene, kleine Nutzgärten.

Neue Ideen in England und Deutschland

Etwa ab 1900 entwickelte sich der Gedanke der Gartenstädte. 1898 formulierte der Londoner Ebenezer Howard folgendermaßen die Bedingungen für die Gartenstadt:

  • gesunde Wohnungen und Cottages
  • Zugang zum eigenen Garten zur Selbstversorgung
  • genossenschaftliches Prinzip an Grund und Boden:
    • zur Vermeidung von Bodenspekulation
    • zur Schaffung von dauerhaft günstigen Mieten
    • Genossenschaftsmitglieder wurden unkündbar

Beispiele für die Gartenstädte sind die Wohnkolonie German Bestelmeyer in Nürnberg, die 1907 für Arbeiter der Reichsbahn gegründet wurde, die Siedlung Hellerau bei Dresden, die man 1909 ausführte und, nicht zu vergessen, die Margarethenhöhe bei Essen, 1910 gebaut, Bauherr war Margarethe Krupp selbst, die äußerst engagiert den Bau plante und beaufsichtigte.

Die Margarethenhöhe in Essen um 1910 auf einer alten Ansichtskarte

Die Margarethenhöhe in Essen um 1910 auf einer alten Ansichtskarte

Nach dem Ersten Weltkrieg

Schon 1919 kam es in Berlin zu einem ersten Mietstreik wegen zu hoher Mieten und zu wenigen Wohnungen. Daran beteiligten sich 200 000 Erwerbslose und Geringverdiener. Unruhen und Krawalle gegen zu hohe Mieten und Zwangsräumungen flammten im gesamten deutschen Reich auf. Die Forderung nach bezahlbarem und gesundem Wohnraum wurde immer extremer artikuliert. Es herrschte also Handlungsbedarf für die Weimarer Republik.

Um blutige Aufstände zu vermeiden, kam man diesen Forderungen nach. Oft wurden zusätzlich Kleingärten zur Selbstversorgung der Mieter in der Nähe der Wohnung eingerichtet. Es gab erste Experimente mit Zentralheizungen und modernen Heizkörpern. Aber nicht nur das, Margarete Schütte-Likotzky entwickelte 1926, inspiriert vom Taylorismus und durch gezielte Feldforschung die moderne Küche, gemeinhin bekannt als die Frankfurter Küche. Gezielt wurde die Küchenarbeit rationalisiert, sie schaffte Struktur und Hygiene in diesen Raum. Alle Dinge sollten einfach erreichbar und leicht zu reinigen sein, vor allem Boden und Arbeitsgeräte. So kam das Linoleum auf den Boden und das Waschbecken, mit Wasserversorgung, an die Wand. Aus der Kochstelle wurde ein technisch durchdachter Kohle- oder sogar Elektroofen. Deshalb gilt diese Küche zu Recht als Urtyp moderner Einbauküchen und hat von vornherein einen hohen Anspruch an Stil und Ästhetik.

Die Frankfurter Küche in einer Ausstellung des Museum of Modern Art, New York. Foto: Tomislav Medak, cc-by 2.0

Die Frankfurter Küche in einer Ausstellung des Museum of Modern Art, New York. Foto: Tomislav Medak, cc-by 2.0

Beispiele für den neuen Wohntypus sind die von 1912 bis 1934 erbauten Siedlungen der Berliner Moderne. Unter den Architekten Bruno Taut, Martin Wagner, Carl Legien, Hans Scharoun, Walter Gropius, Franz Hillinger, Bruno Ahrends, Wilhelm Büning, Otto Barting, um nur einige zu nennen, entstanden hochmoderne Wohnsiedlungen.

Die Weiße Stadt in Berlin-Reinickendorf, erbaut 1929–1931 nach Entwürfen von Otto Rudolf Salvisberg, Bruno Ahrends und Wilhelm Büning. Foto: Wikipedia-Benutzer Marbot, cc-by-sa-3.0-de

Die Weiße Stadt in Berlin-Reinickendorf, erbaut 1929–1931 nach Entwürfen von Otto Rudolf Salvisberg, Bruno Ahrends und Wilhelm Büning. Foto: Wikipedia-Benutzer Marbot, cc-by-sa-3.0-de

Dies geschah nicht nur in Berlin. In Frankfurt initiierte der Oberbürgermeister Ludwig Landmann um 1920 das „Neue Frankfurt“, das vom vom Architekten Ernst May realisiert wurde. Er war es, der Margarete Schütte-Likotzky mit der Entwicklung neuer Küchen beauftragte.

Man könnte noch viele Wohnprojekte in anderen Kommunen benennen. Aber im Grunde beinhalten diese Berliner und Frankfurter Bauten den Masterplan für alle anderen Bauobjekte dieser Art, die in dieser Zeit und im deutschen Reich entstanden.

Sozialer Wohnungsbau im Nationalsozialismus

Ab 1933 bedienten sich die Nationalsozialisten der Ideen des neuen sozialen Wohnungsbaus, unterlegten dies aber mit ihrer Ideologie. Denn die Wohnungen wurden nur noch an Deutsche mit arischer Abstammung und dem Nachweis der Zeugungsfähigkeit vergeben, beides musste ärztlich attestiert werden. Die Theorie der arischen Abstammung, so wie es diese Ideologie propagierte, ist heute zum Glück von der Wissenschaft als unhaltbar erkannt.

Siedlung am Grazer Damm, Berlin: eines der wenigen realisierten nationalsozialistischen Wohnungsbauprojekte und mit 2000 Wohnungen deutlich größer als die Bauten der Weimarer Republik. Foto: Flickr-Nutzer Bernd, cc-by-nc-sa 2.0

Siedlung am Grazer Damm, Berlin: eines der wenigen realisierten nationalsozialistischen Wohnungsbauprojekte und mit 2000 Wohnungen deutlich größer als die Bauten der Weimarer Republik. Foto: Flickr-Nutzer Bernd, cc-by-nc-sa 2.0

Spätestens 1940 kamen alle Aktivitäten zum Erliegen, denn der Krieg war den Nazis wichtiger.

Der Aufbau nach 1945

Erst 1950 wurde der gesetzlich gesteuerte Wohnungsbau wieder aufgenommen, zunächst mit dem Ersten Wohnungsbaugesetz, dann 1956 mit dem Zweiten Wohnungsbaugesetz.

Ausgelöst durch den Zustrom der Heimatvertriebenen und der dadurch resultierenden Wohnungsnot musste der Staat eingreifen. Er bediente sich dabei eines Nebeneinanders von Miet- und Genossenschaftswohnungen und der Förderung des Wohneigentums, der berechtige Einkommensgruppen erfasste – meist kinderreiche Familien.

Ein weiteres Standbein in der Bundesrepublik wurde die Sozialleistung Wohngeld. Dabei handelt es sich um einen Kostenzuschuss zur Miete, aber auch, in speziellen Fällen, zum Wohneigentum (Lastenzuschuss). Wohngeld wird grundsätzlich dem gesamten Haushalt gewährt, auch wenn Mieter oder Hauseigentümer vom Wohngeld ausgeschlossen sind. Sie bekommen trotzdem einen Zuschuss, wenn wenigstens ein Haushaltsmitglied leistungsberechtigt ist.

Weitere Gesetzesnovellen und Verordnungen verändern stetig den staatlichen Immobilienmarkt und machen ihn nicht verständlicher. Und doch hoffen wir, dass alle Veränderungen, die in der Zukunft erfolgen, zum Vorteil der Betroffenen gelingen, denn ich finde, dass jeder ein Recht auf angemessenen Wohnraum hat.

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Lebensfrohes Fest, organisiert vom Kölner Karnevalskomitee. Ansichtskarte von Josef Passavanti (1886–1908)

Lebensfrohes Fest im Gürzenich, organisiert vom Kölner Karnevalskomitee. Ansichtskarte von Josef Passavanti (1886–1908)

Der rheinische Karneval gilt als einer der größten und bestorganisierten Karnevalsveranstaltungen der Welt. Selbst die Manager des berühmten Karnevals in Rio de Janeiro schauen bewundernd auf die gute Organisation der Umzüge, Sitzungen und Bälle im Rheinland, allen voran natürlich die Kölner Veranstaltungen.

Kernstück des rheinischen Karnevals ist natürlich der Rosenmontagszug.
Das erste „Narren Schyff“ startete etwa um 1133 seine Fahrt, von Kornelimünster nach Aachen bis Maastricht, dann folgten Tongern und andere kleine Orte. Gezogen wurde das vierrädrige Schiff von Webergesellen, gebaut hat es ein mittelloser Bauer, der aber von vermögenden Gesinnungsgenossen großzügig unterstützt wurde. In jeder Stadt wurde das Schyff mit großem Beifall und Jubeltänzen begrüßt. Die Menschen waren begeistert und die Reise ging bis tief in die Nacht.

Die ersten maskierten Umzüge lassen sich in Köln auf das Jahr 1518 festlegen, anschaulich geschildert vom Ratsherren Hermann von Weinsberg. Weitere folgten in sehr unregelmäßigen Abständen. In Aachen datieren sie nachweislich auf die Jahre 1752, 1797 und 1804. 1823 folgte der erste organisierte Rosenmontagszug in Köln und 1840 der erste in Aachen, unter dem Motto „Krönungszug Karl V.“.

Mit einigen Unterbrechungen fanden diese Umzüge bis 1939 statt und 1949 wurde in beiden Städten, Aachen und Köln, die Tradition der Festzüge wieder aufgenommen. Damit gelten sie als die ersten organisierten und bis in die Gegenwart kontinuierlich stattfindenden Veranstaltungen ihrer Art. Sie brachten Ordnung in den ansonsten recht wilden und nicht ungefährlichen Rosenmontagsumzug unter Masken. Denn dort waren kleine und große Raufereien an der Tagesordnung. Und alles unter dem Einfluss von sehr viel Alkohol. Die preußische Regierung hätte dem chaotischen Treiben wohl früher oder später ein Ende bereitet, so wie es die französische Obrigkeit schon 1795 tat.

Was macht heute den Rosenmontagzug aus? Es sind die vielen bunt kostümierten Gruppen, die Karnevalsvereine mit Ihren farbig schillernden Wagen und selbstverständliche der große Prunkwagen des Karnevalsprinzen oder des Dreigestirns. Manche Fußtruppen machen auf höchstem Niveau hervorragende Karnevalsmusik und unterhalten das Publikum, das am Straßenrand steht, auf das feinste mit Rumba und Samba Rhythmen. Die danken es den Musikern mit Tanz, Küsschen und ab und zu einem kleinen Schnäpschen.

Für die Kinder darf man natürlich nicht die Süßigkeiten und kleinen Leckereien vergessen, die von den Fußtruppen, aber vor allem von den Festzugswagen geworfen werden. So mancher Pimpf hat sich schon ein oder sogar zwei Einkaufbeutel bis oben hin vollgemacht und sich so die Süßigkeiten, zur besonderen Freude der Zahnärzte, für das ganze Jahr gesichert.

Spielmannszug in gelungenen Uniformen beim Rosenmontagszug in Köln 2009. Foto: Flickr-Nutzer RuckSackKruemel, cc-by-2.0

Spielmannszug in gelungenen Uniformen beim Rosenmontagszug in Köln 2009.
Foto: Flickr-Nutzer RuckSackKruemel, cc-by-2.0

Außerdem werden Blumen und kleine Stofftiere geworfen bzw. überreicht. Die werden immer dankend von jungen Damen angenommen, die den Empfang mit einem kleinen, unverfänglichen Kuss quittieren, er wird gemeinhin als Bützchen bezeichnet.

Aber über allem liegt das Liedgut, das der jeweiligen Stadt zu Eigen ist. Und fast jeder singt die Lieder mit, die er seit seiner Kindheit kennt. Meist werden sie vom Festzugswagen aus angestimmt, oder auch von den Fußtruppen und alle singen und schunkeln mit. Und genau das macht das ganz besondere Flair des rheinischen Karnevalszugs aus. So entsteht dieses ganz spezielle und kollektive Gefühl von Frohsinn und Heiterkeit, dem sich kaum jemand entziehen kann.

Zum Schluss sollten die Karnevalssitzungen erwähnt werden, die im rheinischen Karneval zur ihrer Blüte kamen. Denn Maskenbälle werden überall gefeiert, in Wien und Venedig sind sie besonders schön. Aber die Sitzung, mit Elferrat, Ordensverleihung, Büttenrede und Tanzmariechen, dass entstand wirklich im Rheinland.

Diese Sitzungen kommen aus den Gründungs- und Generalversammlungen der verschiedenen Karnevalsvereine. Auch die Sitte gleiche Kappen zu tragen, wurde hier geboren „Gleiche Brüder, gleiche Kappen“.

1823 gründete sich das „Festordnende Comitee“ in Köln um der bis dahin ungeordneten kölnischen Fastnacht eine neue Richtung und Inhalt zu geben. 1824 fand der erste Montagsball im Gürzenich statt, hier wurde das Dreigestirn proklamiert. 1833 wurde die erste Comiteesitzung des großen und kleinen Rats der Stadt Köln abgehalten.

1829 gründete sich der Aachener Karnevalsverein „Florresei“ durch drei Honoratioren der Kommune. Und schon kurze Zeit später fand die Gründungsversammlung im Saal des neuen Theaters in Aachen statt.

Der Hauptzweck dieser Versammlungen war eigentlich die Vorbereitung des Karnevalszuges. Aber schon von Anfang an, wurden witzige Reden gehalten, Getränke und Speisen gereicht. Irgendwann wurde dann Publikum zugelassen und ein Programm zur Unterhaltung dargeboten. Aber es entwickelte sich alles Schritt für Schritt. Aus dem Narrenstuhl wurde die Bütt, aus den Räten, die den Präsidenten umgaben, wurde der Elferrat und ab 1827 wurde die Ordensverleihung zum festen Brauch in der Karnevalssitzung.

Selbstbewusste Darstellung des Karnevals der Bürger von Köln, noch unter der preußischer Ägide

Selbstbewusste Darstellung des Karnevals der Bürger von Köln, noch unter der preußischer Ägide. Ansichtskarte 1907.

Die Musik, die bis heute dort gespielt wird, kennt jedes Kind in Köln und Aachen. Die Melodien stammen von Karl Berbuer, Willi Ostermann, August Batzem und vielen anderen. In neuerer Zeit sollte man zwei Gruppen nicht unerwähnt lassen, deren Lieder auch gegenwärtig in aller Munde sind. Für Aachen die „Drei Atömchen“ und Köln die „Black Föss“, leider sind beide Gruppen nicht mehr aktiv. Deshalb müssen die Höhner für Köln und die vier Amigos für Aachen erwähnt werden. Das sind die Bands, die den Saal momentan mit leichter Hand „rocken“.

Auch dank dieser Musikeinlagen sind die Sitzungen so beliebt, dass renommierte Fernsehsender viel Geld zahlen, um diese Veranstaltungen in ihrem Fernsehprogamm zeigen zu können. Hinzu kommt, diese närrischen Kolloquien sind so gut besucht, dass Karten echte Mangelware und kaum zu beschaffen sind. So bleibt den meisten Narren nur das Fernsehen, um die großen Karnevalssitzungen zu sehen.

Natürlich kann jeder Jeck an Karnevalssitzungen kleinerer Vereine teilnehmen, die mit Sicherheit auch ihren Reiz haben. Gerade weil sie nicht so hundert prozentig funktionieren und man noch die liebevolle Hand der Laien spürt, die in ihrer Freizeit die Büttenrede schreiben, Tänze einüben und Musik komponieren. Um dann, letztendlich, vor ziemlich großem Publikum, ihre Rede, ihren Tanz oder Musik vortragen und darbieten. Kleine Pannen und Patzer sind hier naturgemäß vorprogrammiert, die das geneigte Publikum oft mit Begeisterung zur Kenntnis nimmt.
Hier tickt die Welt eben anders und fern ab der Perfektion. So sollte der Rheinische Karneval auch sein. Alaaf!

Buntes Karnevalstreiben, Köln 2009. Foto: Flickr-Nutzer RuckSackKruemel, cc-by-2.0

Buntes Karnevalstreiben, Köln 2009. Foto: Flickr-Nutzer RuckSackKruemel, cc-by-2.0

Das Bauhaus in Dessau. Foto: Wikimedia-Commons-Nutzer Mewes

Das Bauhaus in Dessau. Foto: Wikimedia-Commons-Nutzer Mewes

Nach dem Ersten Weltkrieg lag Europa in Schutt und Asche. Alle Beteiligten hatten verloren: England seine industrielle Vormacht, Östereich wurde vom flächengrößten Land, zu einem sehr kleinen, Frankreich verlor politische und soziale Stabilität. Deutschland verlor den Krieg – profan ausgedrückt.

Und alle Menschen verloren Vertrauen in Ihrem Staat, Volk und Heimat.

Wie weiter leben?

In Deutschland entwickelte Walter Gropius die Idee des Bauhauses. Ein Studium und Leben in einer internationalen Gemeinschaft, die alte und überkommene Werte über Bord warfen und sich neue Regeln und neue Lebensinhalte gaben.

Ihm zur Seite standen geniale Künstler und Architekten wie z. B. Mies van der Rohe, Wassili Kandinski, Lyonel Feininger und László Moholy-Nagy.

Das Ziel war es, in einer Synthese alle Baukünste und Techniken in einem Haus zu vereinigen, nach dem Vorbild der Bauhütte an mittelalterlichen Großbaustellen für Kathedralen, Burgen und Palästen.

Das ganz große Ziel war es einen neuen Typ von Architekten, Technikern, Handwerkern und letztlich auch Menschen zu entwickeln, die in der Lage sind, beruf- und barriereübergreifend zu denken und zu handeln.

Ganz nebenbei überwanden sie so die Depression, den Nihilismus und die tiefen Verletzungen des Ersten Weltkriegs.

Das Fagus-Werk in Alfeld an der Leine, geplant 1911 von Walter Gropius und Adolf Meyer, ist in einem Guss entworfen und realisiert. Es vereint Ästhetik und Funktion und nimmt damit Konzepte des Bauhauses vorweg. Foto: Carsten Janssen / cc-by-sa-2.0-de

Der Autor ist ein begeisterter Autofahrer und unternimmt gerne Touren in andere Städte der näheren oder weiteren Umgebung. So fuhr er vor einiger Zeit in Richtung der Stadt Lüttich in Belgien und sah das Ortsschild Verviers. Eine Stadt, die, wenn man europäisch denkt, irgendwo zwischen Aachen und Lüttich liegt, sogar ziemlich genau in der Mitte. Diese beiden Städte trennt eine Entfernung von etwa 60 Kilometern. Ab Eupen fuhr der Autor über eine Landstraße, die durch eine wunderbar geschwungene Landschaft der Ardennen führt. Diese Chaussee ist wirklich sehr zu empfehlen, denn hier ist der Weg das Ziel.

Hat der Fahrer mehrere verträumte Ortschaften durchfahren, kommt er irgendwann zu seinem gut ausgeschilderten Ziel. Ganz unspektakulär fährt er in einen Vorort von Verviers ein. Nun empfiehlt es sich für ihn, bis zum Place de l’Harmonie durchzufahren, er folgt einfach den Schildern bis zum Zentrum und sucht sich dort einen Parkplatz. In den Seitenstraßen gibt es immer genügend gebührenfreie.

Der Autor empfiehlt nun dem Besucher, ein schönes Café aufzusuchen, von denen es am Place reichlich gibt, um mit ihm einmal über die geschichtliche Bedeutung dieses Ortes nachzudenken. Ist der Kaffee da, war die Bedienung nett, obwohl das Schulfranzösisch schon ziemlich eingerostet ist? Ja, hier wird französisch gesprochen, denn es ist die erste Kommune nach der deutschen Grenze, die echten gallischen Flair hat. Sie denken bestimmt, warum werden mir jetzt solche Details erzählt? Aber der Grund ist verblüffend einfach. Es gibt tatsächlich keinen einzigen deutschen Reiseführer über Verviers. Dies ist eine von der Welt vergessene Stadt, obwohl sie früher alles andere als bedeutungslos war. Ein Schleier des Vergessens liegt über dieser morbiden Schönheit. Denn seit der Weltwirtschaftskrise um 1930 wurde die Stadt kaum noch verändert, das heißt, ihr blieben ein großer Teil der Bausünden der Nachkriegszeit erspart und sie präsentiert sich heute in einem fast unberührten Ensemble von Art-Déco und Jugendstil mit teils noch mittelalterlichen und barocken Inseln. Wenn Sie wissen wollen, wie es dazu kam, genießen Sie noch eben einen Schluck ihres köstlich duftenden café normal, so nennt man hier die einfache Tasse Kaffee, und lesen Sie weiter.

Fangen wir von vorne an, tatsächlich bei den Neandertalern, die schon vor einigen Zehntausenden von Jahren hier lebten, gefolgt ab dem achten bis siebten Jahrtausend vor Christus abwechselnd von Kelten, Germanen und Galliern. Bis dann die Römer dieses Gebiet okkupierten und die gallo-römische Periode begann. Der Ursprung des Namens Verviers liegt in dieser Zeit, allerdings ist seine Etymologie nicht gesichert. Es gibt mehrere Theorien, aber keine ist historisch zweifelsfrei belegbar, und wir werden uns hier nicht an irgendeiner Spekulation beteiligen.

Am Ende des fünften Jahrhunderts verließen die Römer die Provinz und überließen das Feld den Saliern und den Requariern. Ab dem zehnten Jahrhundert nach Christus gehörte Verviers zum Fürstentum Lüttich, einem der fünf Vasallen der Franchimont und unterstand damit dem König von Frankreich, Karl dem Einfältigen. Bis 1468 war dieser Ort ein bescheidener mittelalterlicher Marktflecken und die vorherrschende Wirtschaftsform war Ackerbau und Viehzucht. Die erste Besiedelung jener Zeit fand auf dem heutigen Hügel Sommeleville statt. Erst im sechzehnten Jahrhundert kam etwas Bewegung in den Ort, denn die ersten Ansätze der Tuchindustrie entwickelten sich. Ab dem siebzehnten Jahrhundert entstanden die ersten Walkmühlen, die aber gleichzeitig die ältere Metallindustrie verdrängten. Verviers erhielt im Jahr 1651 den Titel Bonne Ville, und diese Urkunde befindet sich noch heute im Besitz der Stadt. Ebenfalls in dieser Zeit wurden, nach einigen verheerenden Stadtbränden, die mittelalterlichen Holz- und Fachwerkhäuser durch Steinbauten ersetzt. Gleichzeitig fand eine schrittweise Trennung von Lüttich statt, wodurch es nach der französischen Revolution republikanischen Truppen sehr leicht gemacht wurde, die Regierung in der Stadt zu übernehmen.

Nach der Schlacht von Waterloo 1815 begann eine erste Periode des Wohlstands. Schon 1816 wurden in den größeren Fabriken Dampfmaschinen aufgebaut. In diesem Zusammenhang sei nur ein Name erwähnt, und zwar William Cockerill (1759-1832). Er kam als britischer Unternehmer im Jahr 1802 während der napoleonischen Kontinentalsperre nach Verviers und gründete eine Textilfabrik, ging aber später dazu über, Textilmaschinen herzustellen. Er begründete eine der mächtigsten Industriedynastien im Raum Lüttich, Aachen und Köln und war ein Aktivposten der europäischen industriellen Revolution. Aber auch das Gemeinwesen entwickelte sich in jener Zeit, denn die Familie Biolley gründete eine der ersten Arbeitersiedlungen in Europa, in der Rue Raymond. 1843 bis 1845 wurde das Zentrum gepflastert, der Zeit entsprechend ohne Gehsteige, und die Abwasserrinnen, die offen durch die Straßen flossen, wurden durch eine gut funktionierende Kanalisation ersetzt.

Sie sollten noch einen Kaffee bestellen und einmal die Aussicht aus dem großen Schaufenster des Cafés genießen, bevor ich mit der Geschichte fortfahre. Genießen Sie den Blick über die Place de l’Harmonie und fühlen Sie sich, nur für einen kurzen Moment, in die Zeit der Belle Epoque versetzt. Denn gerade hier in diesem Viertel wird jene Epoche wach, deren prächtige Hausfassaden zeigen, wieviel Geld manchem Bürger zur Verfügung stand, und im Kontrapunkt dazu stehen die verwinkelten kleinen Gassen, die vom selben Platz ausgehen und anschaulich machen, wie bescheiden, ja sogar ärmlich, die anderen lebten.

Ah, der Kaffee kommt, und draußen wird es langsam dunkel, ein magischer Augenblick, den es zu genießen gilt. Der Platz wird beleuchtet, und nun können wir wunderbar an meine Erzählung anknüpfen. Denn schon 1863 brannte in Verviers keine einzige Öllaterne mehr. Die Stadt hatte die urbane Illumination komplett auf Gaslicht umgestellt, womit sie wirklich modern war. Dann folgte einer der wichtigsten Schritte in der Stadtentwicklung, der Bau der Gileppe-Talsperre, die 1878 die Wasserversorgung der Industrie, aber auch, als Nebenprodukt, der Haushalte sicherstellte.

All diese Maßnahmen im Vorfeld führten fast zwangsläufig im 20. Jahrhundert zur industriellen Blütezeit Verviers, die im Wesentlichen von der Textilbranche, dem Maschinenbau, den Gerbereien und den Schuhfabriken geprägt wurde. Bradford und Verviers wurden ab 1918 in einem Atemzug als die Welthauptstädte der Wolle genannt. Dieser Ort hatte eine wirtschaftliche Prosperität wie kaum ein anderer. Natürlich entstanden vordererst ganze Straßenzüge als Ensemble der Gründerzeit. Das Geld floss in Strömen, und ein Teil dieses Geldes wurde in den Bau repräsentativer Objekte des Art-Déco und Jugendstils gesteckt. Die Bürger Verviers erlebten eine sehr lange Periode des Wohlstands. Selbst als die Wirtschaftskrise in den Dreißigerjahren die ganze Welt erschütterte, waren nicht sofort alle Zweige der Industrie betroffen, denn in jenen schlechten Tagen brach eigentlich nur die Schuhindustrie zusammen. Natürlich war dies schmerzlich, denn diese war eine der bedeutendsten und größten in Europa, jedoch wurden die anderen Branchen kaum betroffen. Sie behielten weitestgehend, ganz im Gegensatz zu anderen europäischen Industriestandorten, ihre wirtschaftliche Potenz.

Erst in den Fünfzigerjahren kam es zu empfindlichen Einschnitten im produzierenden Gewerbe, denn die Konkurrenz aus Fernost und einigen Entwicklungsländern, die deutlich günstiger fertigen konnte, führte hier zu einer noch nie dagewesenen Textilkrise. Der Untergang einiger großer Fabriken zog unweigerlich auch den Zusammenbruch des Maschinenbaus nach sich.

Und genau in diesen zwanzig Jahren des letzten Jahrhunderts begann die seltsame Verpuppung dieser Stadt. Mitten auf unserem Kontinent wurde eine ehemals progressive Kommune, die eine enorme wirtschaftliche Kraft besessen hatte, einfach vergessen, und sie fiel in eine Art Kälteschlaf. Wie schon eingangs erwähnt gibt es keinen einzigen deutschen Reiseführer, und englische, holländische oder skandinavische sind dem Autor nicht bekannt.

Verviers veränderte sich nur noch marginal. Das bis dahin entstandene Stadtbild blieb einfach unberührt. Im Guten, wie im Schlechten! Denn zur Erhaltung der Bausubstanz wurde kaum etwas unternommen, und so präsentiert sich dieser Ort in einem seltsam entrückten, morbiden Charme. Ganze Straßenzüge verfallen, und längst vergessenes Gewerbe, wie das Spitzen- und Strumpfgeschäft, oder der Eisenwarenhandel, dümpelt in seinen angestammten Geschäftsräumen dem Untergang entgegen. Langsam, aber unaufhaltsam.

Erst allmählich lernt man heute die Einzigartigkeit des Stadtensembles zu schätzen und unternimmt erste kleine Schritte, es zu erhalten. Einzelne Häuser werden renoviert, und Museen enstehen in historischen Fabrikgebäuden. Zaghafte Ansätze, die vorsichtig auf eine bessere Zukunft hoffen lassen.

Eine vergessene Stadt: Verviers

Der Autor ist ein begeisteter Autofahrer und unternimmt gerne Touren in

andere Städte der näheren oder weiteren Umgebung. So fuhr er vor einiger

Zeit in Richtung der Stadt Lüttich in Belgien und sah das Ortsschild

Verviers. Eine stadt, die, wenn man europäisch denkt, irgendwo zwischen

Aachen und Lüttich liegt, sogar ziemlich genau in der Mitte. Diese beiden

Städte trennt eine Entfernung von etwa 60 Kilometern. Ab Eupen fuhr der

Autor über eine Landstraße, die durch eine wunderbar geschwungene

Landschaft der Ardennen führt. Diese Chaussee ist wirklich sehr zu

empfehlen, denn hier ist der Weg das Ziel.

Hat der Fahrer mehrere verträumte Ortschaften durchfahren, kommt er

irgendwann zu seinem gut ausgeschilderten Ziel. Ganz unspektakulär fährt

er in einen Vorort von Verviers ein. Nun empfielt es sich für ihn, bis zum

Place de l’Harmonie durchzufahren, er folgt einfach den Schildern bis zum

Zentrum und sucht sich dort einen Parkplatz. In den Seitenstraßen gibt es

immer genügend gebührenfreie.

Der Autor empfiehlt nun dem Besucher, ein schönes Café aufzusuchen, von

denen es am Place reichlich gibt, um mit ihm einmal über die

geschichtliche Bedeutung dieses Ortes nachzudenken. Ist der Kaffee da, war

die Bedienung nett, obwohl das Schulfranzösisch schon ziemlich eingerostet

ist? Ja, hier wird französisch gesprochen, denn es ist die erste Kommune

nach der deutschen Grenze, die echten gallischen Flair hat. Sie denken

bestimmt, warum werden mir jetzt solche Details erzählt? Aber der Grund

ist verblüffend einfach. Es gibt tatsächlich keinen einzigen deutschen

Reiseführer über Verviers. Dies ist eine von der Welt vergessene Stadt,

obwohl sie früher alles andere als bedeutungslos war. Ein Schleier des

Vergessens liegt über dieser morbiden Schönheit. Denn seit der

Weltwirtschaftskrise um 1930 wurde die Stadt kaum noch verändert, das

heißt, ihr blieben ein großer Teil der Bausünden der Nachkriegszeit

erspart und sie präsentiert sich heute in einem fast unberührten Ensemble

von Art-Déco und Jugendstil mit teils noch mittelalterlichen und barocken

Inseln. Wenn Sie wissen wollen, wie es dazu kam, genießen Sie noch eben

einen Schluck ihres köstlich duftenden café normal, so nennt man hier die

einfache Tasse Kaffee, und lesen Sie weiter.

Fangen wir von vorne an, tatsächlich bei den Neandertalern, die schon vor

einigen Zehntausenden von Jahren hier lebten, gefolgt ab dem achten bis

siebten Jahrtausend vor Christus abwechselnd von Kelten, Germanen und

Galliern. Bis dann die Römer dieses Gebiet okkupierten und die

gallo-römische Periode begann. Der Ursprung des Namens Verviers liegt in

dieser Zeit, allerdings ist seine Etymologie nicht gesichert. Es gibt

mehrere Theorien, aber keine ist historisch zweifelsfrei belegbar, und wir

werden uns hier nicht an irgendeiner Spekulation beteiligen.

Am Ende des fünften Jahrhunderts verließen die Römer die Provinz und

überließen das Feld den Saliern und den Requariern. Ab dem zehnten

Jahrhundert nach Christus gehörte Verviers zum Fürstentum Lüttich, einem

der fünf Vasallen der Franchimont und unterstand damit dem König von

Frankreich, Karl dem Einfältigen. Bis 1468 war dieser Ort ein bescheidener

mittelalterlicher Marktflecken und die vorherrschende Wirtschaftsform war

Ackerbau und Viehzucht. Die erste Besiedelung jener Zeit fand auf dem

heutigen Hügel Sommeleville statt. Erst im sechzehnten Jahrhundert kam

etwas Bewegung in den Ort, denn die ersten Ansätze der Tuchindustrie

entwickelten sich. Ab dem siebzehnten Jahrhundert entstanden die ersten

Walkmühlen, die aber gleichzeitig die ältere Metallindustrie verdrängten.

Verviers erhielt im Jahr 1651 den Titel „Bonne Ville“, und diese Urkunde

befindet sich noch heute im Besitz der Stadt. Ebenfalls in dieser Zeit

wurden, nach einigen verhehrenden Stadtbränden, die mittelalterlichen

Holz- und Fachwerkhäuser duch Steinbauten ersetzt. Gleichzeitig fand eine

schrittweise Trennung von Lüttich statt, wodurch es nach der französischen

Revolution republikanischen Truppen sehr leicht gemacht wurde, die

Regierung in der Stadt zu übernehmen.

Nach der Schlacht von Waterloo 1815 begann eine erste Periode des

Wohlstands. Schon 1816 wurden in den größeren Fabriken Dampfmaschinen

aufgebaut. In diesem Zusammenhang sei nur ein Name erwähnt, und zwar

William Cockerill (1759–1832). Er kam als britischer Unternehmer im Jahr

1802 während der napoleonischen Kontinentalsperre nach Verviers und

gründete eine Textilfabrik, ging aber später dazu über, Textilmaschinen

herzustellen. Er begründete eine der mächtigsten Industriedynastien im

Raum Lüttich, Aachen und Köln und war ein Aktivposten der europäischen

industriellen Revolution. Aber auch das Gemeinwesen entwickelte sich in

jener Zeit, denn die Familie Biolley gründete eine der ersten

Arbeitersiedlungen in Europa, in der Rue Raymond. 1843 bis 1845 wurde das

Zentrum gepflastert, der Zeit entsprechend ohne Gehsteige, und die

Abwasserrinnen, die offen durch die Straßen flossen, wurden durch eine gut

funktionierende Kanalisation ersetzt.

Sie sollten noch einen Kaffee bestellen und einmal die Aussicht aus dem

großen Schaufenster des Cafés genießen, bevor ich mit der Geschichte

fortfahre. Genießen Sie den Blick über die Place de l’Harmonie und fühlen

Sie sich, nur für einen kurzen Moment, in die Zeit der Belle Epoque

vesetzt. Denn gerade hier in diesem Viertel wird jene Epoche wach, deren

prächtige Hausfassaden zeigen, wieviel Geld manchem Bürger zur Verfügung

stand, und im Kontrapunkt dazu stehen die verwinkelten kleinen Gassen, die

vom selben Platz ausgehen und anschaulich machen, wie bescheiden, ja sogar

ärmlich, die anderen lebten.

Ah, der Kaffee kommt, und draußen wird es langsam dunkel, ein magischer

Augenblick, den es zu genießen gilt. Der Platz wird beleuchtet, und nun

können wir wunderbar an meine Erzählung anknüpfen. Denn schon 1863 brannte

in Verviers keine einzige Öllaterne mehr. Die Stadt hatte die urbane

Illumination komplett auf Gaslicht umgestellt, womit sie wirklich modern

war. Dann folgte einer der wichtigsten Schritte in der Stadtentwicklung,

der Bau der Gileppe-Talsperre, die 1878 die Wasserversorgung der

Industrie, aber auch, als Nebenprodukt, der Haushalte sicherstellte.

All diese Maßnahmen im Vorfeld führten fast zwangsläufig im 20.

Jahrhundert zur industriellen Blütezeit Verviers, die im Wesentlichen von

der Textilbranche, dem Maschinenbau, den Gerbereien und den Schuhfabriken

geprägt wurde. Bradford und Verviers wurden ab 1918 in einem Atemzug als

die Welthauptstädte der Wolle genannt. Dieser Ort hatte eine

wirtschaftliche Prosperität wie kaum ein anderer. Natürlich entstanden

vordererst ganze Straßenzüge als Ensemble der Gründerzeit. Das Geld floss

in Strömen, und ein Teil dieses Geldes wurde in den Bau repräsentativer

Objekte des Art-Déco und Jugendstils gesteckt. Die Bürger Verviers

erlebten eine sehr lange Periode des Wohlstands. Selbst als die

Wirtschaftskrise in den Dreißigerjahren die ganze Welt erschütterte, waren

nicht sofort alle Zweige der Industrie betroffen, denn in jenen schlechten

Tagen brach eigentlich nur die Schuhindustrie zusammen. Natürlich war dies

schmerzlich, denn diese war eine der bedeutendsten und größten in Europa,

jedoch wurden die anderen Branchen kaum betroffen. Sie behielten

weitestgehend, ganz im Gegensatz zu anderen europäischen

Industriestandorten, ihre wirtschaftliche Potenz.

Erst in den Fünfzigerjahren kam es zu empfindlichen Einschnitten

improduzierenden Gewerbe, denn die Konkurrenz aus Fernost und einigen

Entwicklungsländern, die deutlich günstiger fertigen konnte, führte hier

zu einer noch nie dagewesenen Textilkrise. Der Untergang einiger großer

Fabriken zog unweigerlich auch den Zusammenbruch des Maschinenbaus nach

sich.

Und genau in diesen zwanzig Jahren des letzten Jahrhunderts begann die

seltsame Verpuppung dieser Stadt. Mitten auf unserem Kontinent wurde eine

ehemals progressive Kommune, die eine enorme wirtschaftliche Kraft

besessen hatte, einfach vergessen, und sie fiel in eine Art Kälteschlaf.

Wie schon eingangs erwähnt gibt es keinen einzigen deutschen Reiseführer,

und englische, holländische oder skandinavische sind dem Autor nicht

bekannt.

Verviers veränderte sich nur noch marginal. Das bis dahin entstandene

Stadtbild blieb einfach unberührt. Im Guten, wie im Schlechten! Denn zur

Erhaltung der Bausubstanz wurde kaum etwas unternommen, und so präsentiert

sich dieser Ort in einem seltsam entrückten, morbiden Charme. Ganze

Straßenzüge verfallen, und längst vergessenes Gewerbe, wie das Spitzen-

und Strupfgeschäft, oder der Eisenwarenhandel, dümpelt in seinen

angestammten Geschäftsräumen dem Untergang entgegen. Langsam, aber

unaufhaltsam.

Erst allmählich lernt man heute die Einzigartigkeit des Stadtensembles zu

schätzen und unternimmt erste kleine Schritte, es zu erhalten. Einzelne

Häuser werden renoviert, und Museen enstehen in historischen

Fabrikgebäuden. Zaghafte Ansätze, die vorsichtig auf eine bessere Zukunft

hoffen lassen.

Das Buch

In den Städten Nord-Rhein-Westfalens kennen wir schon lange die Buchhandelskette Mayersche. Vor einiger Zeit ging ich in eben einer dieser Filialen der Einzelhandelskette schlendern und landete irgendwann in der letzten Etage des Geschäfts. Ganz unversehens stand ich vor einem wahrhaft riesigen Buch und dieses thronte, einer alten Bibel gleich auf einem Pult, das extra zu diesem Zweck angefertigt schien. Einer Ikone urbaner Kontemplation gleich lud es ein, es zu berühren und darin zu blättern. Natürlich konnte ich dieser unausgesprochenen Einladung nicht widerstehen. Ganz ehrlich, es zog mich sogar magisch an.
Le Corbusier stand groß auf dem Buchdeckel, und als eingefleischter Bauhausfan wusste ich sofort um wen es ging: Le Corbusier, einer der ganz großen Architekten des zwanzigsten Jahrhunderts, natürlich gleichberechtigt neben Elid Saarinen, Mies van der Rohe und Walter Gropius, Adolf Meyer, Bruno und Max Taut, Adolf Loos und Hugo Häring, um nur einige der führenden Architekten jener Zeit zu nennen. Diese genialen Köpfe, die mit Intelligenz und großem Können neue Ideen und neue Lösungen für alte Probleme des Bauens, Wohnens und der dazu gehörigen Technik in die Welt trugen, sollten nicht vergessen werden. Hier sei nur einmal die damals neue Heiztechnik von Junkers und Vaillant genannt, die uns mit der Gasheizung von den Kohleöfen in den Städten befreiten. Und glauben sie mir, Kohleöfen in einer urbanen Umgebung sind alles andere als romantisch, der Autor selbst hat diese strapaziöse und schmutzige Art des Heizens noch bei seinen Großeltern im Ruhrgebiet kennen gelernt, die mitten in Dortmund lebten. Ein weiteres Bespiel ist Margarete Schütte-Lihotzky, die 1928 die Frankfurter Küche vorstellte. Deren Einrichtung wurde von ihr rational und funktional durchdacht und ist noch heute das Vorbild für alle modernen Küchen.
In diese Reihe gehört auch Le Corbusier, ein Meister des Betonbaus. Er wurde am 6. Oktober 1887 in der Schweiz geboren, als Charles-Edouard Jeanneret-Gries. So beginnt auch das Buch über ihn und zeigt nun in fantastischen Bildern sein beeindruckendes Lebenswerk. Wir kennen die Bilder seiner wichtigsten Bauten, hier seien nur einige Meilensteine genannt, etwas subjektiv ausgewählt nach dem Geschmack des Autors:

  • 1927 zwei Häuser in der Siedlung am Weißenhof in Stuttgart
  • 1929–33 das Obdachlosenasyl der Heilsarmee in Paris
  • 1930–32 das Mietshaus Clarté in Genf
  • 1951–55 Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp
  • 1956–60 das Dominikanerkloster Sainte-Marie de la Tourette
  • 1967 das postum fertiggestellte Centre Le Corbusier in Zürich, das nach seinen Entwürfen von 1963 gebaut wurde.

Aber er war nicht nur ein genialer Architekt, vielmehr zeigt dieses Buch auch auf, wie früh er sich der damals ganz neuen Medien und deren Bedeutung bewusst war. Er machte sie sich zunutze, und schrieb Bücher, die im neuen Rotationsverfahren gedruckt wurden, was sie für jedermann erschwinglich machte. Fotos über seine Arbeiten wurden in bester Qualität direkt vor Ort gemacht  und den neuen und modernen Fotomagazinen zur Verfügung gestellt. Er war präsent in Rundfunk und Fernsehen, er ging mit ansprechenden Präsentationen auf gut vorbereitete Vortragsreisen und schrieb immer wieder viel gelesenen Artikel für die Fachpresse, gelegentlich auch für die Zeitungen im allgemeinen. Kurz, er war eine Person des öffentlichen Lebens und sehr bekannt. Diese Bekanntheit machte er sich zunutze, um lukrative und medienwirksame Aufträge zu bekommen, die er natürlich wieder der Öffentlichkeit vorstellte. Er war also ein durch und durch moderner Mensch, der ganz genau um seine Wirkung wusste und sie zu steuern verstand.
Mit seinem Tod am 27. August 1965 schließt das Buch, und ich schlug es zutiefst beeindruckt nach zwei bis drei Stunden zu. So verbringe ich gerne meine Nachmittage auf angenehme und auch preiswerte Weise, der Buchhändler möge es mir verzeihen. Beim nächsten Besuch, das verspreche ich hoch und heilig, werde ich auch eins der vielen Exemplare kaufen, die dort angeboten werden. Das besprochene Buch werde ich mir leider nicht leisten können, ich habe ja auch gar keinen Platz dafür in meiner Bibliothek. Oder vielleicht doch?

Aachen besitzt im Rheinland und vielleicht auch in Deutschland, eine der schönsten Stadtkerne, bestätigt durch die UNESCO, die den Dom und seine nähere Umgebung schon 1978 zu den ersten 12 Objekten des Weltkulturerbe erhob.

In einem Umfeld, dessen Straßen seit dem Mittelalter existieren, nämlich die Ursulinerstraße, der Münsterplatz, Hartmannstraße und Friedrich-Wilhelm-Platz, liegt der Elisengarten, der schon 1279 erwähnt wird, als Platea Harduni. wobei die Ursulinerstraße die erste namentlich bekannte Straße in Aachen ist.

Der Garten liegt hinter dem klassizistischen Bau des Elisenbrunnen, der 1827 nach den Plänen von J. P. Cremer und K. F. Schinkel fertiggestellt wurde, während der Garten selbst zwischen 1852 und 1854 von dem preußischem Gartenbaumeister P. J. Lenné angelegt wurde.

2006 beschloss die Stadt Aachen eine Neugestaltung der Anlage und beauftragte das Berliner Landschaftsplanungsbüro Lützow 7 mit dem Entwurf und der Durchführung.

Das Restaurant, das wie selbstverständlich zum Garten gehört und deren Bestuhlung den Charme der fünfziger Jahre atmete, wurde einer Verjüngungskur unterzogen. Noch vor der Umgestaltung des Gartens.

Kurz gesagt, wenn der geneigte Aachener auch die besagte historische Inneneinrichtung bestimmt ganz unglaublich vermisst, so fühlt er sich doch ganz offensichtlich sehr wohl im neuen Ambiente des Restaurants. Denn es ist immer gut besucht.

Aber eigentlich geht es dem Autor um die urbane grüne Zelle, die 2009 neu erfunden wurde. Was ihn beim Eintritt in diese Zelle am meisten beeindruckte, war der kreisrunde Granitbrunnen. Dieser, einer buddhistischen Meditationsklangschale gleich, empfängt den Besucher, wenn er vom Friedrich-Wilhelm-Platz kommt. Asymmetrisch steht er nicht in der Mitte des Gartens, sondern vielmehr an einer exponierten Stelle, aber dennoch ist er ein charakteristischer Punkt im Arrangement, der nicht dominierend wirkt. Die erwähnte Öffnung zum Friedrich-Wilhelm-Platz, gab es bisher nicht und ist durchaus ein Gewinn für den Besucher, verkürzt er doch den den Weg in den Elisengarten und schafft neue Perspektive.

Das attraktivste Element der Anlage stellt bei schönem Wetter mit Sicherheit die abfallende Rasentreppe dar. Beim ersten Sonnenstrahl treffen sich dort Studenten, Angestellte, Verkäuferinnen und Jugendliche um die Umgebung zu genießen. Friedlich geht es dort zu, ein echter Platz des geselligen Zusammenseins für Jedermann. Ein öffentlicher Ort eben, der von den Stadtbewohnern angenommen, genutzt und genossen wird.

Von dort schaut jeder auf das Quellbassin entlang der gesamten Rückseite des Elisenbrunnens. Eng angelegt an dem Gemäuer des Klassizismus, eingefasst von großen schweren und dunklen Steinplatten, sitzen auch dort die Menschen, da sie eine Menge der Sonnenwärme speichern und wieder an die Sitzenden abgeben. Die Wasserflächen spiegeln das Licht der Sonne und kontrastieren sehr stark zu den dunklen Fassungssteinen, die sie umgeben. Hier treffen sich im besonderem Maße alte und neue Architektur und schaffen eine Spannung, die kaum merklich, den Betrachter erfasst. Sie ist nicht unangenehm und wirft die Frage kaum auf, passt dies zusammen oder nicht? Das Ensemble entzieht sich einer klaren Beurteilung, denn es wirkt auf jeden anders, aber selten unangenehm.

Insgesamt wirkt die Gestaltung auf den Autor sehr durchdacht und gut geplant und erfasst ganz klar die Bedürfnisse der Menschen die in einer Stadt leben. Davon zeugen die vielen Besucher des Platzes mitten in der Stadt. Ein schöner Kontrapunkt zum gewachsenen Ensemble der Unteren Adalbertstraße, das mit dem Abbruchplatz des ehemaligen Gloria-Palastes den herben Charme der Nachkriegszeit atmet.

Wer in der Stadt lebt, kennt Freizeitangebote wie Theater, Kino oder den Verein. Letzterer kann nur getragen werden von einer Reihe ehrenamtlich arbeitender Menschen, die ihre Aufgabe engagiert wahrnehmen. Der Stadtchronist ist selbst in seiner Freizeit Sporttrainer und schrieb vor einiger Zeit einen Artikel über Kommunikation beim Sport für eine Vereinszeitschrift.  Dieser kleine Text  sollte  universell, auf andere Lebenssituationen anwendbar und hoffentlich verständlich geschrieben  sein. Gute Kommunikation ist die Grundlage jeder zwischenmenschlichen Interaktion und baut Brücken zu anderen Menschen. Dies wird leider von vielen nur allzu oft übersehen, gerade in der Stadt.

Schulz von Thun ist wahrscheinlich jedem Sporttrainer bekannt und sein Modell einer gelungenen Kommunikation. Die Theorie leuchtet jedem ein, es ist ganz einfach, wo soll das Problem liegen. Die Praxis, dort liegt das Problem. Wie oft sagen wir: „redet nicht übereinander, sondern miteinander.“ Hilft es, nein, denn die Natur bleibt so stark und furchtbar bequem.

Wer will sich mit einer komplierten Dialektik auseinander setzten. Ja, wir wissen, jede Medallie hat zwei Seiten, es gibt Licht und Schatten, aber nicht nur Schwarz und Weiß und selten nur eine Wahrheit. Es kommt eben auf den Blickwinkel an. Wobei auch zwei, drei oder mehr Personen durchaus in der Lae sind, nur aus einer Richtung zu schauen, was dann nicht mehr bilateral und wenig bewusst ist.

Nun trainieren wir junge Menschen, die damit wenig vertraut sind und noch pubertäre Chulhofpolitik betreiben und auch ein Recht darauf haben, da sie dies alles noch nicht wissen.

Die Verantwortung liegt bei uns, den Eltern, Lehrern, aber auch beim Sporttrainer. Ja, auch wir Trainer haben die Verantwortung, zumindest rudimentär, solche Grundlagen des zwischenmenschlichen Zusammenseins zu vermitteln.

Natürlich brauchen wir nicht in den Turnhallen das Kommunkationsmodell aufzeichnen und die Theorie pauken, so nicht. Aber doch darauf achten, dass junge Menschen miteinander reden und Konflikte ansprechen. Wenn sie mit einem Sportkameraden einen Streit austragen, am besten auf diesen zu gehen, das Problem verbalisieren und nicht herunter schlucken, oder es hinter seinem Rücken thematisieren. Denn dann erfährt das ganze einen sehr ungesunden Gärungsprozess, der ins Unerträgliche wächst und dem dann kaum noch beizukommen ist.

Wenn die Jugendlichen nicht mehr weiter wissen, mit ihrem Latein am Ende sind, spätestens dann sollten die den Weg zum Trainer finden. Denn der ist in der Lage, vermittelnd einzugreifen  und weiß, dass manches Problem oder Missverständnis, nicht sofort gelöst werden kann und Zeit, sowie viele Gespräche unereinander braucht. Denn so offensichtlich ist der Grund des Konflikts meist nicht, wie es den Anschein hat, wir rufen uns Schulz von Thun in Erinnerung, Dabei hütet sich der Sporttrainer vor dem antiquierten Lösungsweg „Bei einem Bierchen an der Theke“, denn bitte, die Zeit der Aufklärung ist seit I. Kant und G.lW. Leibniz so weit fortgeschritten, dass wir nüchtern in der Lage sind, uns der Vernunft zu bedienen. So findet sich eine adäquate Lösung, für alle Beteiligten.

Am besten, wir achten gleich darauf, dass schon im Training miteinander gesprochen und gescherzt wird. Eine lebhafte Runde, in der keiner ein Blatt vor den Mund nehmen muss, ist meines Erachtens das beste Mittel, Konflikte schon im Keim zu ersticken. Denn eine Streit kommt vor, wir sollten nur vernümftig damit umgehen, so bleibt er klein und unwichtig. dann macht allen das Treining Spaß und alle sind mit Freude dabei.